2026-2028
HEPTALOGÍA
Stell dir den Gesang Orpheus' als eine Musik vor, die dich nicht einfach nur erreicht, sondern zu wissen scheint, wer du bist. Eine Musik, die alles anzurühren vermag, wonach du dich sehnst.
Das ist das Geheimnis von Kunst: der eine Mensch singt und der andere fühlt sich im Innersten seiner selbst erkannt.

Lyhrus' zur Zeit entstehender Zyklus Orpheus greift den Mythos der griechischen Antike auf – und löst sich zugleich radikal von seiner gewohnten Perspektive. Der Ablauf der bekannte Erzählung bleibt zwar noch erkennbar, aber es steht nicht der Blick auf den Helden oder sein Scheitern im Mittelpunkt. Stattdessen richtet sich der Fokus auf das, was seine Musik auslöst. Wie bleiben die Schatten, die Menschen, ja selbst die Götter der Unterwelt zurück, nachdem Orpheus vor und zu ihnen gesungen hat?
Was hat sein Gesang an Hoffnung und Sehnsucht in ihnen ausgelöst, was hat er heraufgeholt aus der Tiefe? Die Figuren des Mythos erscheinen nicht als handelnde Protagonisten, sondern als Berührte, als Hörende und als Empfangende – als Wesen, die sich durch die Musik selbst erkennen.
Orpheus wird so zu einer Meditation über die Kunst selbst: ihre Fähigkeit, zu berühren, zu verändern und die Menschen zu verbinden.
Orpheus ist als siebenteiliger Zyklus angelegt für Chöre, Ensembles, Solisten, Perkussion und elektronische Klangwelten – sieben Konzerte, jedes mit eigener Dramaturgie, eigener klanglicher Identität. Zugleich entwickeln sich über die sieben Teile hinweg Motive, Atmosphären und musikalische Zusammenhänge weiter. Was in einem Konzert anklingt, findet in einem anderen eine neue Form, eine neue Perspektive, eine Fortsetzung. Für das Publikum entsteht so die Möglichkeit, den Zyklus sowohl punktuell zu erleben als auch ihn über seine gesamte Dauer hinweg zu begleiten und die Entwicklung mitzuvollziehen.
In einem achten abschließenden Gesamtkonzert verdichten sich die zuvor entwickelten Szenerien zu einem großen Bild. Teile aus den sieben Einzelkonzerten werden neu zusammengesetzt, in Beziehung gebracht, überblendet. Bekanntes erscheint in neuem Licht, Fragmente verbinden sich zu größeren Zusammenhängen.
Die Uraufführung des gesamten Orpheus-Zyklus wird so für Ausführende und Publikum nicht nur ein Abschluss, sondern Erinnerung, Gesamtschau und Vervollkommnung.

ORPHEUS – Heptalogía Part I
Mit Eurydice erlebt das Publikum die Uraufführung des ersten Teils aus Lyhrus’ siebenteiligen Orpheus-Zyklus.
Eurydice entfaltet mit den Klagegesängen der Dryaden um die verlorene Gefährtin eine Klang- und Melodiewelt von außergewöhnlicher Schönheit und Tiefe. Die exzellenten Frauenstimmen des Kammerchores Cantus Berlin verschmelzen mit zartesten elektronischen Klängen, die wie ein Orchester behandelt werden – gespielt von Lyhrus selbst. Unter der feinsinnigen Leitung von Nils Jensen entsteht ein intensives, fesselndes und neuartiges Hörerlebnis.
Vorkonzert Waiting for Eurydice
Samstag, 4. Juli 2026, 20h, St. Matthäuskirche am Kulturforum
Konzerte Eurydice
Freitag, 20. November 2027, 20h, Französischer Dom Berlin
Samstag, 21. November, 20h, Nikolaikirche Spandau
jeweils mit Cantus Berlin, Lyhrus, Nils Jensen
ORPHEUS – Heptalogía Part VII
Nachdem Orpheus Eurydike endgültig verloren hat, bleibt ihm nichts mehr. Er zieht sich von der Welt zurück. Es heißt, er habe nur noch Knaben in Gesang und in allen Fragen des Lebens unterrichtet. The Book of Hymns, der letzte Teil der Orpheus–Heptalogie, beginnt an diesem Punkt: jenseits des Mythos, in einem Raum der Anrufung, der Erinnerung und Verwandlung. Ausgehend von den Orphischen Hymnen – jenen 87 rätselhaften antiken Texten, die Orpheus ursprünglich zugeschrieben wurden – erschafft Lyhrus chorische Gesänge, die mehr Klangrituale für die Singenden sein wollen als Konzertmusik, auch wenn dieser siebte Teil ebenfalls in Konzerten aufgeführt werden wird.
Geübte Chorsängerinnen und -sänger sind eingeladen, die Musik der Hymnen über längere Zeit in Ateliers der Cantus Academy gemeinsam zu erkunden, zu erarbeiten und als Zusammenspiel von Stimme, Atem, Resonanz, Hören und Stille zu erleben.
Erstes Atelier: Samstag, 7. November 2026, Berlin
Weitere Termine und Orte folgen.
Leitung Nils Jensen, in Anwesenheit des Komponisten
